Metro Gallery - Zurich, Switzerland


 

                       

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26 Mai - 13 August 2011
"Luxury Goods"
NIKOLAI WINTER


Vernissage: Donnerstag, 26 Mai 2011 at 18h30 
 
In Anwesenheit der Künstler.


   
  Corniche, 2010
87 x 87 x 59 inches/220 x 220 x 150cm,
Rolls Royce Corniche, chrome, LCD-screen, color coating
Sculpture

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Kalter Glanz – warme "Seele"?

- PD Dr. Monika Kritzmöller

Fragmentiert, verfremdet – oder erst recht ganz seiner selbst? – spiegelt sich das Antlitz des Betrachters in der makellos glänzenden Chrom-Oberfläche, die sich straff um den darunter liegenden Luxus–Körper schmiegt. Dessen Konturen sind unverkennbar genug, um Identitäten auch verhüllt zweifelsfrei preiszugeben. Chanel, Hermès, Rolex: Die Rede ist von den Produkten bekannter Nobel–Marken. Sind es Insignien der Identität? Verströmen sie den schalen Duft der Prätention? Oder gilt es, sie auch deshalb zu bewahren, weil sie den Beweis einer Vereinbarkeit von Hochkultur und Nachhaltigkeit antreten?

Erst die Charaktere von Betrachter und Objekt geben Auskunft über die Qualität dieser Liaison. Wiedererkennbar zu sein unter einer undurchsichtigen Hülle erfordert zu allererst die Prägnanz einer Form, welche sich in überzeitlicher Gültigkeit immun erweist gegenüber Plagiierung und visuell–ästhetischer Abnutzung. Hinzu kommen, gleichsam als Eintrittskarte, um irgendwann der "Konservierung" als würdig befunden zu werden, physisch überdauernde Merkmale herausragender Material– und Verarbeitungseigenschaften – dies als Gegenpol zu einem Labeling, dessen prächtige Inszenierungsformen über die dahinter stehende Inhaltsleere hinwegtäuschen.

Gerade in luxurierenden Möglichkeitsgesellschaften, in denen nicht nur das persönliche Styling, sondern die gesamte Identität Ergebnis allgegenwärtiger Wahlakte ist, fungieren (gute) Marken als "Gefäße", um mit eigenen Geschichten aufgeladen zu werden. Jene Geschichten freilich werden im Gebrauch geschrieben. Bisweilen sind es flüchtige, wie das glitzernde Feuer von Wunderkerzen verglühende Flirts, von denen der Soziologe Georg Simmel schreiben würde: "Omnia habentes, nihil possidentes". Ihnen stehen Biographien intensiver Objektaneignung gegenüber. Dann bedeutet "Luxus" das Heraustreten aus einer austauschbaren Banalität, bedeutet auch die Abwahl vergänglicher Alternativen hin zu einer Wahr-nehmung von Sinn und Sinnlichkeit.


 

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